Pfarrer Engelmann aus Steinwenden - Steinwenden

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Pfarrer Engelmann aus Steinwenden

Portraits ehem. Bewohner

Carl Martin Engelmann, Pfarrer und Schriftsteller (1790-1833)

„Bald Brüder schwindet abermal ein Jahr von unserem Leben.
Auf! Lasset uns mit frohem Schall ihn, der es gab, erheben!
Ja seine Hand hat unverwandt bis hierher uns geführet,
Er ist’s, dem Preis gebühret!“

So lautet die erste von sieben Strophen eines Silvesterliedes, das der Steinwendener Pfarrer Carl Martin Engelmann (1790 bis 1833) einst dichtete. Das Lied wurde beim Jahresabschlussgottesdienst 1818 in der protestantischen Kirche von Spesbach zum erstenmal auf die Melodie: „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ gesungen.

Am 1. November 1790 wurde er in Bacharach geboren. Seine Eltern waren der Stärkefabrikant und Posthalter Johann Martin Engelmann, zeitweise auch Bürgermeister von Bacharach, und dessen Ehefrau Johanna Elisabetha Stoppelbein. Seine Kindheit verbrachte Carl Martin Engelmann vor allem im Hause seines Großvaters, des früheren Pfarrers der Otterberger französisch-reformierten Gemeinde und seit 1761 in Bacharach amtierenden Erasmus Theodor Engelmann, der für die Erziehung seiner Kinder und Enkel einen Hauslehrer beschäftigte.

Die Auswirkungen der Französischen Revolution, die Übertragung der „Errungenschaften“ auf die linksrheinische Pfalz, wurden im Hause Engelmann begeistert gefeiert. Mit seinen Vettern und Basen umtanzte der kleine Carl Martin den Bacharacher Freiheitsbaum, sang revolutionäre Lieder und wurde von seinem revolutionsbegeisterten Vater bei einem Festzug sogar in eine napoleonische Uniform „mit hübschen Säbeln nebst Bonapartehut und Kokarde“ gesteckt, wie sein gleichaltriger Cousin, der spätere Appellationsgerichtsrat Theodor Erasmus Hildegard, in seinen Erinnerungen schrieb.

Engelmann war von 1814 bis zu seinem Tod 1833 Pfarrer in Steinwenden. Von 1818 bis 1826 betreute er auch die protestantische Pfarrei Spesbach.

Einem alten, 1808 gedruckten Gebetsbuch, das sich im Besitz einer seiner Nachkommen, Frau Dr. med. Charlotte Radun (Landau), befand und handschriftliche Eintragungen Engelmanns enthält, entnehmen wir seine weiteren Lebenssituationen: Von 1806 bis 1808 besuchte er das Gymnasium in Grünstadt, immatrikulierte sich im November 1808 an der Universität Göttingen, schloss sich dort dem Corps „Hannovera“ an und beendete sein Theologiestudium im Herbst 1810 in Heidelberg. In seiner Heimatstadt Bacharach wurde er examiniert und ordiniert. 1811 erhielt er seine erste Vikarsstelle in Rehborn und kam noch im gleichen Jahr nach Homburg. Über die folgende Zeit lesen wir in seinen Notizen (man beachte die Vermischung seiner eigenen biographischen Angaben mit weltpolitischen Ereignissen jener Zeit):

„Zum erstenmal als Pfarrer von Steinwenden gewählt 5. Dezember 1814 Bestätigt als solcher zu Kreuznach 30. Dezember 1814 Abschiedspredigt zu Spesbach. Den 12. Februar 1815 Antrittpredigt zu Steinwenden den 19. Februar 1815 verheiratete mich mit Philippine Weber von Steinwenden, am 20. April 1815 Sieg von Waterloo, 4ten May 1816 habe ich zu Zweibrücken dem König Max Joseph von Bayern den Eid der Treue geschworen.“

Pfarrer Engelmann war eine vielseitig interessierte Persönlichkeit. Wie schon unter seinem Schwiegervater, dem Pfarrer Johann Carl Weber (1738-1800) und seinem Schwager und Amtsvorgänger, dem Homburger Dekan Carl Gottfried Weber (1780-1859), war das Steinwendener Pfarrhaus auch in Engelmanns Amtszeit das geistige Zentrum der Pfarrei und der Gemeinde.

Zu Engelmanns Interessengebieten zählten neben der Theologie die französische Sprache, die Geschichte und die hymnologische Forschung. Daneben lagen ihm die Landwirtschaft und das Waidwerk am Herzen. Zeitweise war er sogar Mitpächter des Steinwendener Jagdreviers. Schließlich ist Pfarrer Engelmann literarisch tätig gewesen, wenn er auch seine eigenen Gedichte und Kirchenlieder nie veröffentlicht hat. 1826 erschien im Verlag Ritter in Zweibrücken Engelmanns Werk „Nachrichten von Liederdichtern des Gesangbuchs zum gottesdienstlichen Gebrauche für protestantisch-evangelische Christen“. Im Hauptteil dieses Buches brachte Engelmann „Biographische Notizen über die Liederdichter nebst Angaben einiger ihrer Schriften“. Neben Informationen über die bekannten Liederdichter Martin Luther, Paul Gerhard, Christian Fürchtegott Gellert oder Caspar Lavater finden sich biographische Daten über pfälzische Liederdichter, wie zum Beispiel den aus Mimbach stammenden Pfarrer Dr. Philipp David Müller (1773-1848) und den Speyerer Konsistorialrat und Landtagsabgeordneten Dr. Georg Friedrich Wilhelm Schultz (1774-1842). Darüber hinaus übersetzte Pfarrer Engelmann mehrere literarische Werke aus dem Französischen ins Deutsche, zum Beispiel ein Buch der französischen Schriftstellerin Gräfin de Genlis (1746-1830).

In seinen letzten Lebensjahren litt Pfarrer Engelmann unter einer schweren Lungenkrankheit, an der knapp 43jährige am zweitletzten Tag des Jahres 1833 starb.

Roland Paul


 
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