Ziegelhütten in Steinwenden und Weltersbach - Steinwenden

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Ziegelhütten in Steinwenden und Weltersbach

Geschichte der Ortsteile

Zur Geschichte der Ziegelhütten in Steinwenden und Weltersbach
von Roland Paul


Rechts der Straße von Steinwenden nach Kottweiler erstreckt sich der Ortsteil „Ziegelhütte“, im Volksmund „Hütte“ bzw. mundartlich „Hitt“ genannt. Dieser Straßenname erinnert - wie die alten Flurnamen „Ziegelrech“ und „Ziegelwiese“ - an ein einst hier blühendes Handwerk, das Ziegelbrennen.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es im Bereich der heutigen Straße „Auf der Ziegelhütte“ gleich drei Ziegeleien. Eine vierte stand bei der Moormühle in Weltersbach.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand am Ortsausgang Steinwendens, an der Straße nach Obermohr, östlich der heutigen Tankstelle Urschel, sogar eine weitere Ziegelei.   



 -   Hier rechts ist eine längst abgebrochene Ziegelscheuer aus Steinwenden zu sehen.



Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im pfälzischen Raum mehrmals auf die Gefährlichkeit von Strohdächern aufmerksam gemacht. Verordnungen verboten sogar das Decken neuer Gebäude mit Stroh. Die zunehmende Ziegelbedachung machte den Beruf des Zieglers attraktiv und begünstigte das Entstehen von Ziegelhütten besonders dort, wo man den Rohstoff Lehm in genügendem Maße abbauen konnte.
Der Boden der Gemarkungen von Steinwenden und Weltersbach bot den Ziegelbrennern das erforderliche Material, was uns der Flurname „Lehmenkaut“ (= Lehmgrube) noch heute verrät. In Weltersbach ist bereits 1717 eine „Leimen-Kauth“ bezeugt, und in der Steinwendener Gemarkung lässt sich der heutige Flurname „An der Lehmenkaut“ (nördlich des Friedhofs) seit 1769 nachweisen. Von der Lehmenkaut (früher: „Leimen Kaute“) an dem von Weltersbach nach Ramstein führenden sogenannten „Totenweg“ wissen wir, dass die Ramsteiner hier unentgeltlich Lehm zum Bauen der Häuser (Lehmboden, Fachwerkfüllungen, Backofenbau) holen konnten.
Der erste Hinweis auf den Standort einer Ziegelhütte findet sich im Lagerbuch der Gemeinde Steinwenden von 1767: „Adam und Nicolaus Hammel ihre gemeinschaftliche Ziegelhütt“. Eine noch kurz vor der französischen Besatzungszeit und der Auflösung des kurpfälzischen Gerichts Steinwenden im Jahre 1791 angefertigte Gewerbetabelle verzeichnet ebenfalls zwei Ziegler in Steinwenden. Von der Familie Hammel ging die „Untere Ziegelhütte“ - auch „Ziegelei am Hirtenbrünnchen“ genannt - in den Besitz der Familie Kehrwald-Müller von der Moormühle über. Nach dem Tode des Ölmüllers Adam Müller im Jahre 1839 verkaufte dessen Witwe Anna Maria Pletsch die Ziegelei um 1205 Gulden an den Ziegler und Ackerer Adam Clemens I., der im Grundsteuer-Urkataster von 1845 mit 33 Tagwerk und 94 Dezimal als drittgrößter Grundbesitzer in der Gemeinde Steinwenden aufgeführt wird. Clemens baute 1842 das zur Ziegelei gehörende Wohnhaus neu auf.
Als seine Tochter Elisabetha 1849 den Ackerer Johannes Willenbacher (1822-1912) vom Wingertsweilerhof bei Höringen ehelichte, erhielt sie das elterliche Anwesen, bestehend aus „Wohnhaus, Scheuer, Stall, Ziegelscheuer, Brennofen und Hofraum mit Brunnen“ zum Geschenk.
Willenbacher betrieb die Ziegelei mit Erfolg weiter. Durch den Einbau einer zum Ziegelpressen bestimmten „Lokomobile“ - einer Dampfmaschine - sorgte Johannes Willenbacher für eine Arbeitserleichterung und eine Steigerung der Ziegel- und Backsteinproduktion.
Gewissenhaft führte er von 1849 bis 1869 sein Tagebuch, das heute noch erhalten ist und uns einen guten Einblick in die Produktion, den Kundenkreis, den Preis der Ziegel und Backsteine sowie die Verdienste der in der Ziegelei beschäftigten Männer vermittelt. Die Kunden kamen nicht nur aus Steinwenden und den umliegenden Ortschaften, sondern von vielen weiteren Dörfern zwischen Lauter und Glan. Willenbacher notierte jeden Ziegel, den er verkaufte. So vermerkte er beispielsweise 1852 in seinem Tagebuch: „Den 8ten Dezember habe ich 300 Ziglen auf die Eberste Schärnau (= Oberschernau bei Ramstein) gefahren“. Dafür nahm er den Betrag von 2 Gulden und 42 Kreuzern ein. 1855 kaufte Joseph Benzino von Kusel 9000 Ziegel und 45 Hohlziegel für den Obermohrerhof, das Tausend zu 11 Gulden 30 Kreuzer. Der bei Willenbacher beschäftigte Ziegler Christian Becker aus Weilerbach bekam 1867 „an Bahr Gält“ 170 Gulden Lohn.
Johannes Willenbacher übergab die Ziegelhütte 1882 „schenkungsweise“ seinem Sohn Jakob, der den Betrieb bis 1911 weiterführte. Nach der Heirat seiner Tochter Auguste mit dem aus Waldstetten im badischen Amt Buchen stammenden Schäfer Adolf Merkert wurde die Ziegelfabrikation 1911 eingestellt. Merkert gründete hier 1912 eine Schäferei, die lange Zeit von Alois Merkert, dem langjährigen Vorsitzenden des Landesverbandes der Schafzüchter Rheinpfalz, und dessen Schwiegersohn Henning Wittler betrieben wurde.
Neben der oben beschriebenen „Unteren Ziegelhütte“ stand einstmals eine kleine Ziegelei. Gleichzeitig mit dem Verkauf der danebenliegenden größeren Ziegelei an Adam Clemens veräußerte die Witwe des Ölmüllers Adam Müller von der Moormühle 1839 diese kleine „Ziegelhütte am Hirtenbrünnchen“ an den seit 1828 in Steinwenden nachweisbaren und in Weilerbach geborenen Ziegler Adam Henn. Die Familie Henn stellte allerdings bereits in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts das Ziegelbrennen ein. Heute ist von dieser Ziegelei nichts mehr vorhanden.
Den ersten Nachweis über das Vorhandensein der „Oberen Ziegelhütte“ fand ich im Kirchenbuch der lutherischen Pfarrei Steinwenden. Dort wird 1773 ein Theobald Steigener als „Ziegelknecht auf der obersten Ziegelhütte“ genannt.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts muss diese Ziegelei dann in den Besitz der Kaufmannsfamilie Weber gekommen sein. Aus dem „Looszettel für die Jungfrau Juliana Philippina Weber“ vom 14. Juni 1834 erfahren wir, dass dieselbe damals aus der Erbmasse ihres Vaters, des Kaufmanns und Bürgermeisters Johann Daniel Weber, dreißig Wiesen und Äcker sowie in Gemeinschaft mit ihrer Schwester Elisabetha (Ehefrau von Bürgermeister Johannes Häberle) „einen Acker an und in der Stockwiese, zwischen dem Weg und verschiedenen Anstößern, worauf sich vorfindet eine Ziegelhütte mit Ziegelofen und sämtlichen dazu gehörigen Geräthschaften, ferner ein einstöckiges für den Ziegelbrenner bestimmtes Wohnhaus samt Stall, Platz und Gärtchen, von dem Weg nach Kottweiler durchschnitten ...“. 1845 werden als Besitzer dieser Ziegelhütte genannt: Caspar Blaese (gest. 1845; seit 1837 mit Juliana Philippina Weber verheiratet) und Johannes Häberle. Letzterer verkaufte seinen Anteil 1853 an seine Schwägerin, die Witwe Blaese. Aus dem Verkaufsakt vom 28.2.1853 geht hervor, dass Häberle die ihr für eine Hälfte zustehende Pacht gezahlt hat. Häberle behielt sich das Recht vor, „die in der Ziegelei noch befindlichen Roh- und nicht fertigen Waren ... in dem Ziegelofen zu brennen, und sollte derselbe keinen vollständigen Brand geben, soviel neue Ware anfertigen zu lassen als zu einem vollständigen Brande erforderlich ...“.
Zwischen 1855 und 1866 verpachtete die Witwe Blaese die „Obere Ziegelhütte“ an den Miesenbacher Ziegler Konrad Gieser. Im Juni 1866 übertrug die Eigentümerin die Ziegelhütte ihrer ältesten Tochter Elisabetha Blaese, Ehefrau des Kaufmanns Carl Weber. Die Immobilien wurden damals mit 1200 Gulden veranschlagt. Die Beschenkte musste sich verpflichten, vom Anschlagspreis „den Betrag von sechshundert Gulden in drei Terminen ... zur Gleichstellung ihrer Schwester Juliana Blaese an diese herauszubezahlen“. Doch bereits im folgenden Jahr (1867) starb Carl Weber, und ein Jahr später folgte ihm seine junge Frau im Tode nach. Erben waren die drei noch minderjährigen Kinder Julius, Ernst und Karl. Deren Onkel und Vormund, der Homburger Kaufmann und Gründer der Karlsberg-Brauerei Christian Weber (verheiratet mit Juliana Blaese), verwaltete das Erbe und verpachtete die Ziegelei auch weiterhin. Angesichts des geringen Pachtertrags, den die Ziegelei jährlich einbrachte, und des Ärgers, der mit dem ständigen Wechsel der Pächter verbunden war, entschlossen sich der mittlerweile volljährig gewordene Kaufmann Julius Weber und sein Bruder, der Medizinstudent Ernst Weber, die Ziegelhütte zu veräußern. 1883 verkauften sie die Gebäude für 2750 Mark an den Ziegler Anton Haag, der den Ziegeleibetrieb noch bis etwa 1910 fortführte.
Die Eheleute Reinhard und Katharina Kurz, geb. Gensinger erwarben das Anwesen im Jahre 1915 von Anton Haag. Nach dem Ersten Weltkrieg brannte der Vater von Frau Kurz, Ludwig Gensinger, hier noch Ziegel und Backsteine für den Eigenbedarf. Bald darauf ließ Reinhard Kurz, der ein Fuhr- und Sandgeschäft betrieb, die links des alten Kottweiler Wegs gelegene „Obere Ziegelhütte“ abreißen. An ihrer Stelle errichtete Kurz ein hauptsächlich für landwirtschaftliche Zwecke genütztes Gebäude, das heute noch steht und von Lilly Ruth, geb. Kurz, an Heribert Schneider verkauft wurde.

Die vierte, südlich der Gemarkung Tiefenteich gelegene Steinwendener Ziegelhütte an der Straße nach Obermohr (Plan-Nummer 380), zwischen dem späteren Anwesen Bebiolka und der Tankstelle Urschel, wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut. Vermutlich ließ sie der Rotgerber und Gastwirt Johannes Häberle errichten. Seine Witwe übertrug diese Ziegelhütte jedenfalls im Jahre 1867 an ihren Sohn Carl Häberle. In den achtziger Jahren gehörte sie dem Ölmüller und Gerber Adrian Müller, dessen Frau eine Nichte Häberles war. Müller geriet 1890 in Konkurs, so dass seine Liegenschaften noch im gleichen Jahr versteigert wurden. Der Wolfsteiner Bankier Heinrich Ludwig Braun ersteigerte die Ziegelhütte um 3010 Mark aus der Konkursmasse und verpachtete sie. Im Dezember 1895 verkaufte Braun die Ziegelei mit Hofraum und Zubehör, insbesondere mit den vorhandenen Brettern, Formen und Arbeitstischen, an den damals in Rehweiler wohnhaften Jakob Leppla (1829-1903), ehemals Mühlenbesitzer in Bliesdahlheim. Doch auch der bereits 70jährige Leppla schien mit diese Ziegelhütte nicht recht glücklich zu werden. Nach seinem Tod verkauften seine Verwandten auf der Moormühle im Auftrag der in den USA lebenden Nachkommen Jakob Lepplas die mittlerweile verfallene Ziegelhütte im Jahre 1905 an den Schneidermeister Johann Werle, der das Gelände einebnete.

Von der Weltersbacher Ziegelhütte bei der Moormühle, die auf dem Gelände stand, das heute der Familie Gensinger gehört, erfahren wir erstmals etwas aus einem Inventar-Verzeichnis des Mühlen- und Gutsbesitzers Nikolaus Pletsch und seiner Ehefrau Maria Elisabetha Everling. Beide übergaben ihren 1781 übernommenen Besitz auf der Moormühle im Jahre 1797 an ihre Tochter Anna Maria und deren Ehemann Balthasar Kehrwald. Neben dem Mühlengehöft gehörte „eine wohl erbaute und eingerichtete Ziegelhütte“ zur Schenkungsmasse. Der Vorrat an „gebrändten Ziegeln und Backenstein“ blieb noch im Besitz der bisherigen Eigentümer, „weilen die ohngebräunte gegen Zahlung des Macherlohns der Gutübernehmerin verbleiben sollen“.
Kurz vor seinem Tod schenkten der Müller und damalige Bürgermeister Balthasar Kehrwald und seine Frau im August 1818 ihrem Sohn Nikolaus „als Voraus und Zusatz zu seinem gesetzlichen Erbtheil“ und um „ihm dadurch zu einer vortheilhaften Heurath eher Gelegenheit und Anspräche einzuräumen“ die Weltersbacher Ziegelhütte, die im Schenkungsakt folgendermaßen beschrieben wird: „eine Ziegelbrennerei bei der Mühle auf dem Banne der Gemeinde Weltersbach bestehend in einer vollständigen Wohnung und Stallung, der Ziegelhütte, Ziegelscheuer und Ziegelofen mit allem darin befindlichem, zu dem Gewerbe gehörenden Gegenständen, welche wegen ihrer Bestimmung immerwährend dabey verbleiben müssen, einseits der Weg, andererseits das Hofgering der Mühle, unten die Bach, oben Ackerfeld enthaltend ungefehr dreißig Ruthen ...“.
Nach der Wiederverheiratung der Witwe Kehrwald mit dem aus Eulenbis stammenden und in erster Ehe mit der Mühlenbesitzerin Anna Gertrude Leppla, geb. Pfleger in Oberweiler-Tiefenbach verheiratet gewesenen Johann Adam Müller schien es zwischen Nikolaus Kehrwald und seinem Stiefvater zu Zwistigkeiten gekommen zu sein, denn Kehrwald verzichtete auf sein Erbe und zog mit seiner jungen Frau nach Kaiserslautern. Die Ziegelbrennerei bei der Moormühle verkaufte er 1821 wieder. Käufer war sein Stiefvater Müller, der auch - wie oben erwähnt - zwei Ziegelhütten in Steinwenden zu eigen hatte.

In den dreißiger Jahren war der Miesenbacher Christian Koch, der später eine Ziegelei in Kusel erwerben konnte, Ziegelbrenner in Weltersbach.
Als Müller 1839 starb und sein Nachlass veräußert wurde, erwarb sein Sohn aus erster Ehe, Carl Müller, von den Miterben neben der Ölmühle die Ziegelhütte bei der Moormühle um 7000 Gulden. Später erbte Carls ältester Sohn Adrian den gleichen Besitz und ließ hier noch bis etwa 1890 Ziegel und Backsteine herstellen.
Letzter Ziegelbrenner auf der Moormühler Ziegelhütte war Michael Klein. Im Jahre 1895 wurde die Weltersbacher Ziegelhütte abgerissen und an ihrer Stelle zwei Wohngebäude errichtet.


Roland Paul

 
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