Ludwig Werle - Steinwenden

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Ludwig Werle

Portraits ehem. Bewohner

Der Musiker Ludwig Werle (1876-1936), ein gefeierter „Bach-Trompeter"

Ludwig Werle wurde am 21. August 1876 in Steinwenden als Sohn des Bauern Jakob Werle und seiner Frau Elisabetha Christmann geboren. Er stammte aus einer musikalischen Familie. Schon sein 1797 im badischen Mingolsheim geborener Großvater Johannes Werle betätigte sich neben seinem Beruf als Ackerer und Maurer auch als Musikant. Ludwig Werle’s älterer Bruder Jakob (geb. 1860) wurde Musikant, wanderte 1896 in die USA aus und ließ sich in Brooklyn nieder. In New York wurde seine Begabung als Trompeter bald erkannt, so dass er ein Engagement an der Metropolitan Opera erhielt.

Auf Jakob Werle’s Drängen hin folgte ihm einige Jahre später sein jüngerer Bruder Ludwig, genannt Louis, der in New York Unterricht nahm in Trompete, Geige und Cornet à Piston. Nach dem frühen Tod des Bruders übernahm Louis Werle zunächst dessen Stelle als 1. Trompeter an der MET.

Doch nach kurzer Zeit erfasste ihn das Heimweh so sehr, dass er nach Deutschland zurückkehrte.

1903 erhielt er eine Stelle am Städtischen Orchester Köln. Friedel Keim schrieb in seinem umfassenden Werk „Das große Buch der Trompete", dass sich Ludwig Werle im Laufe der Zeit zu „einem Spezialisten auf der Trompete" herangebildet habe, „der die schwierigen Stellen in den Bachschen Oratorien- und Kantatenwerken mit Bravour meisterte". So hat er 1905 das schwierige 2. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach auf einer F-Trompete gespielt. Seit seiner Jugend war Louis Werle ein großer Verehrer Bachs. In einer Rezension über einen Auftritt mit dem Gürzenich-Orchester heißt es beispielsweise: „In Bachs Brandenburger Konzert in F-Dur für konzertierende Trompete fand Herr Steinbach in Herrn Werle einen ganz vorzüglichen Vertreter dieses Instruments. Herr Werle handhabte sein Instrument bis zum hohen „G" hinauf, mit solcher Virtuosität, dass die Königin der Nacht aus der Zauberflöte neidisch darauf werden konnte".

Er galt bald als einer der ganz wenigen „Bachtrompeter" weltweit. Er trat nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland, ja sogar noch einmal in den USA auf.  Neben seinem Engagement am Kölner Opernhaus und am Gürzenich-Orchester unterrichtete Werle von 1905 bis 1925 am Konservatorium der Stadt Köln und anschließend bis zu seinem Tod an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln.

Der berühmte Komponist Gustav Mahler besuchte ihn eines Tages persönlich und bat ihn, die Uraufführungen seiner Symphonien zu spielen. „Dies war eine besondere Auszeichnung, welche mein Vater mit Freude und Stolz annahm. Sie blieben Freunde bis zum Tode Gustav Mahlers", erinnerte sich Frau Hedwig Schumacher-Werle, die Tochter des Musikers, in einem Gespräch mit dem Autor 1980 in ihrem Haus in der Schweiz.

Als Werle am 17. September 1936 im Alter von erst 60 Jahren in seinem Haus in Köln-Lindenthal starb, war sein Bett voll bedeckt mit Noten von Johann Sebastian Bach.

Roland Paul

 
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